3. Kapitel, Sonntag, 21. September, 8 Uhr:

Hagen wurde am Sonntagmorgen von alarmierenden Tönen geweckt. Da bullerte doch ein Rollkoffer auf dem Kopfsteinpflaster?
Erschreckt schaute er aus dem Fenster. Die würde doch nicht etwa zurückkommen?
Erleichtert sah er, dass es nur sein Cousin Herbert war, der den Koffer seiner Frau zum Wagen rollte. Hella wollte ja zur Kur nach Sylt! Jetzt fiel es Hagen wieder ein.

Als er mit seinem Cousin vor einigen Tagen auf der Bank vor dem Altenteilerhaus saß, konnte Herbert von kaum etwas anderem reden. Aufgeschmissen sei er ohne Hella. Und, ach, wenn er doch selber mitfahren könnte. Aber für zwei Personen war es einfach zu teuer.

Für Hagen war das eine weitere Lektion gewesen, die Sache mit den Frauen künftig bleibenzulassen. Teuer kamen sie schließlich auch. 
Obwohl das für ihn kein großes Problem gewesen wäre. 

Wenn Hagen eins hatte, dann war das Land, viel Land. Und Land war immer noch ordentlich was wert.
Deswegen hatte Hagen auch Geld, ziemlich viel Geld, denn einige seiner Felder waren kürzlich zu Bauland geworden. „Das kommt, weil Hagen jetzt im Rat sitzt“, munkelte man im Dorf.
Darum gingen Bauern schließlich in die Politik.

Hagen scherte sich nicht um das Gerede. Waren doch alle nur neidisch. Manchmal wunderte ihn, dass Herbert so gar nicht neidisch war. Er wohnte zwar mit seiner Frau auf dem Hof - im Altenteilerhaus - doch nichts auf dem Hanfkötterschen Anwesen gehörte dem Sohn des jüngeren Sohnes des Großvaters der beiden Männer. 

Herbert beklagte sich nicht. Er war immer der schlaue Kopf in der Familie gewesen und hatte Landwirtschaft sogar studiert. Als Diplom-Agrarökonom arbeitete er als Bodenschätzer im Finanzamt. Doch in jeder freien Stunde half er auf dem Hof und hatte bis zu seiner späten Heirat vor einem Jahr mit dem Rest der Familie die Mahlzeiten geteilt.

Hagen sah wieder aus dem Fenster und erblickte Hella, die ihren Mann in die Arme schloss, als würden sie sehr lange getrennt sein. Etwas war anders geworden, seit die patente Buchhalterin eingeheiratet hatte.

Fast hätte Hagen daraufhin denselben Fehler gemacht wie sein Cousin. Hagen war nun wirklich überzeugt, dass es ein Fehler gewesen wäre. 

Auch Hanna hatte sich seither verändert. Noch stiller war sie geworden, noch mürrischer. Bis sie ihren Bruder bei „Landwirt sucht Liebling“ angemeldet hatte, wo Herbert ein Jahr zuvor Hella traf. 

„Nicht dass die plötzlich auf die Idee kommt, sich doch noch ‘n Kerl zu suchen“, fuhr es Hagen durch den Kopf, während er beobachtete, wie Herbert und Hella Hanfkötter im alten Mercedes der Familie aus der Einfahrt dieselten.

Hagen nahm sich vor, beim Hegermarkt im Dorf genau zu beobachten, ob seine Schwester vielleicht kurz vor dem 2. Frühling stand. Er reckte sich, gähnte noch einmal und freute sich auf zwei hartgekochte Eier. Sonntags gab es bei Hanfkötters zum Frühstück immer hartgekochte Eier.

Und dann musste er los, seinen Stand beim Hägermarkt aufbauen. „Die Tomate rot und groß fällt nicht mit Bio in den Schoß“ hatte er noch am Vorabend auf ein Transparent aus alten Bettlaken gemalt und mit dem alten Kopierer im Büro Handzettel vervielfältigt. Irgendwie mussten die Leute doch kapieren, dass der Einsatz von Pestiziden auf den Feldern nicht durch irgendwelches Biozeug zu ersetzen war. 

Hagen wurde nicht müde, im Sinne der chemischen Industrie und im Sinne optimaler Ernteerträge Aufklärungsarbeit zu leisten. Das würde er auch heute wieder tun. 

Allerdings zum letzten Mal.
Denn an diesem Tag würde etwas passieren, das einen Groll, der schon tief saß noch tiefer werden ließ. 

Als Hagen die Küche betrat, in der Hanna schweigend den Tisch für das Frühstück deckte, hatte er noch 9 Stunden zu leben. 

Die 1. Tagesfrage:

Um 24 Uhr wird die 1. Tagesfrage hier veröffentlicht. Die Lösung kann dann bis Mitternacht am Montag, 22. September eingesandt werden.
Die Tagesgewinne stehen unter dem Motto "Krimifieber". Zehn Ermittler/innen, die eine richtige Lösung eingesandt haben, bekommen je zwei spannende Krimis/Thriller + ein digitales Fieberthermometer.

Die Sponsoren sind Antiqua Online, die leistungsstarke Langenhagener Online-Buchhandlung und die innovative  Oliven-Apotheke Kaltenweide.



Das Polizeiteam kann auch völlig humorlos sein. Polizeiobermeister Klaus Kämpfer,(links im Bild) dargestellt von Uwe Guelke, ist dafür zuständig, Schaulustige vom Tatort fernzuhalten. Legen Sie sich besser nicht mit ihm an.