Zur Vorbereitung des KriminaLa-Tages:

- Schonmal online ermitteln, wo am Montag die "Vor-Ort-Ermittlung" stattfindet. Für den ersten Termin haben wir es relativ einfach gemacht, den Ort des Geschehens zu finden, damit möglichst viele Ermittler sich einfinden können.

2. Kapitel: Sonnabend, 20. September

Was für ein herrlicher Tag! Hagen erwachte und es war still im Haus. Keine zankende Ritchie, keine fröhlich singende Resi, die schon beim Zubereiten des Frühstücks Schlager aus dem Radio mitsang.

Die Welt im Hause Hanfkötter war wieder in Ordnung. Hagen wusste: Wenn er heute in die Küche kam, würde er nur auf Hanna treffen, die schweigend am Herd stand und Rührei machte.

Am Sonnabend gab es morgens immer Rührei bei Hanfkötters. Seit Jahr und Tag. Nur nicht in den letzten Wochen. Resi hatte andere Ideen für eine deftige Frühstücksmahlzeit. Und Hanna hatte das auch noch gut gefunden, bloß, weil sie dann morgens in Ruhe warm duschen konnte. Damit war es jetzt wieder vorbei.

Hagen ging in die Küche.

„Morgen Hanna“, sagte er. Seine Schwester nickte nur. Hagen setzte sich an den Tisch. 

Henriette kam mürrisch herein, nahm sich ein Brötchen und verschwand mit den Worten: „Ich geh dann mal.“

Natürlich zu Erwin. Völlig unverständlich für ihre Mutter, die sich fragte, was Henriette mit dem eigentlich wollte. Doch Hanna fragte nicht weiter. Hanna Hanfkötter neigte nicht dazu, viele Worte zu machen.

Hagen sah seiner kräftig geschminkten Nichte nach und dachte: „Irgendwann bringt die von ihren Rockkonzerten auch ‘n Blag mit nach Hause.“

Genau so war es bei seiner Schwester gewesen, damals vor 23 Jahren. Ein kleiner Skandal in Engelbostel. Hanna Hanfkötter hatte ihre Tochter Henriette „vom Krähenwinkler Schützenfest mitgebracht“, murmelte man im Dorf hinter vorgehaltener Hand. Etwas peinlich für die ganze Familie, aber es war nunmal passiert.

Hanna war in ihren Jugendjahren beliebt bei den jungen Männern. Sie machte auch schon damals nicht viele Worte und fand bestimmte Vorgänge ganz natürlich - das hatte sie im Stall bei den Tieren ja seit früher Kindheit beobachten können.

Henriettes Vater war in der Familie kein Thema. Wenn Hanna gefragt wurde, ob es nicht schwierig sei, das Kind allein großzuziehen, pflegte sie zu sagen: „Wieso? Der Eber bleibt auch nich bei’n Ferkeln.“

„Rührei?“ Hannas Frage riss ihren Bruder aus seinen Gedanken.

„Jau“, antwortete er, während er zur aktuellen Ausgabe von „Land und Garten“ griff und sich in einen Artikel über neue Kartoffelsorten vertiefte.

„Jetzt haben wir endlich wieder unsere Ruhe“, sagte er zufrieden, als Hanna ihm das Rührei an den Platz gestellt und Kaffee eingeschüttet hatte.

Hanna zögerte einen Moment. Schlechtgelaunt donnerte sie die Pfanne auf den Herd zurück. Mit versteinertem Blick betrachtete sie ihren selbstgefällig schmatzenden Bruder von der Seite, streckte sich dann, als ob sie eine Entscheidung gefällt hatte. „Jau“, sagte sie schließlich und verließ ohne weitere Worte die Küche.

Hagen blieb, die Ruhe genießend und die Verstimmung seiner Schwester (wie eigentlich alle Stimmungen anderer Leute) nicht registrierend, zurück.

Doch es sollte bald noch sehr viel ruhiger werden im Haus.  Hagen Hanfkötter hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch 32 Stunden zu leben.