EPILOG

Als Tanja Thannheuser zu so später Stunde die Tür des BauFlott-Büros aufschloss, ahnte Bodo, was sie vorhatte. Freikaufen wollte sie sich und ihren Mann. Freikaufen aus der Pflicht, den Glanz ihres Namens auch auf seine Firma leuchten zu lassen.

Bodo wusste genau: Er wollte das nicht.

„Na, Tanja, kannst wohl meinem Charme nicht widerstehen, dass Du so spät hier noch auftauchst“, begrüßte er sie mit einem Spruch.

Tanja Thannheuser hatte viele Eigenschaften - doch jene, Spaß zu verstehen, gehörte nicht dazu.

Und für Smalltalk, fand sie, war nicht die Zeit.

„Mein letztes Angebot sind 150.000 Euro. Kein Cent mehr. Du gibst mir das Foto und wir sehen uns nie 

wieder.“

Bodo lachte und konnte sich gar nicht wieder beruhigen.

„Denkst Du wirklich, es wäre so einfach?“, fragte er und lachte wieder.

Tanja hatte sich den Regalen zugewandt und suchte diese mit Blicken ab, öffnete Bücher und Aktenordner, als ob ihr das Foto zufällig in die Hände fallen könnte.

„Das Foto ist nicht hier im Büro“, sagte Bodo, noch immer lachend. „Ich will Eure Kohle nicht.“

Tanja hatte das Regal mit Bodos goldener Maurerkelle erreicht, die sie fast mit Ekel betrachtete. Ihr Mann hatte internationale Architekten-Awards gewonnen. Bodo hatte nichts ausser seiner grässlichen goldenen Maurerkelle.

„Find Dich damit ab, dass Du einen Kleinkriminellen geheiratet hast, der jetzt ein fester Partner der BauFlott KG ist.“

Bodos Lachen versickerte und er wandte sich bereits wieder seinen Unterlagen zu.

„Du gehst jetzt“, sagte er mit einer beiläufigen Handbewegung und blätterte dabei in den Anmeldeformularen für das Dinner.

Tanja spürte Wut in sich aufsteigen, während sie die Maurerkelle an sich nahm.

Die letzte Frage, die Bodo durch den Kopf ging, war, ob man CDU und SPD getrennt platzieren müsste, oder ob die Ratsvertreter gern auch mal parteiübergreifend zusammensäßen. Und ob man diese ewigen Badkritiker von den Grünen nicht an einen Katzentisch setzen könnte.

Eine Antwort fand er nicht mehr, denn in diesem Moment wurde sein Schädel gespalten und die Gedanken verebbten in einem letzten großen Strudel aus Schmerz, flammenden Blitzen, die seinen Blick vernebelten und einer tiefen Stille, die ihn umfing, als das Bewusstsein ihn verließ.