NEWS: der Film vom 1. Spatenstich ist veröffentlicht!

NEWS: der Film der Badgegner-Demo ist veröffentlicht!

2. Kapitel: Sonnabend, 7. September, 11 Uhr

„Im nächsten Jahr werden unsere Sportler, unsere Kinder die Gelegenheit bekommen, dieses neue Bad für sich in Anspruch zu nehmen. Langenhagen wird mit diesem neuen Projekt weit über die Grenzen hinaus als Sportstätte, als Sportstadt, als Freizeitstadt bekannt werden.“

Der Bürgermeister sprach an diesem Morgen nahezu euphorisch. Ein besonderes Wellness- und Freizeitbad für Langenhagen - das hatte stets zu seinen Anliegen gehört.

„Es hat sich gelohnt, darauf zu warten, dass wir mit diesem hervorragenden Architekten und mit diesem hervorragenden Langenhagener Unternehmer dieses Projekt realisieren können.“

Bodo blickte aufrecht und stolz in die Runde der Gäste, die zum ersten Spatenstich für das neue Bad gekommen waren. Langsam beruhigte er sich darüber, dass es vor dem Eingang zum Bad-Grundstück gerade Tumulte gegeben hatte. Bad-Demonstranten!  Bodo hatte nie begriffen, dass jemand gegen das LaOla-Bad sein konnte. Und dieser Hagenkäfer, der angeblich vertrieben wurde durch den Bad-Neubau! Also bitte - ein Käfer! Die Polizei hatte den Pulk an Badgegnern schnell abtransportiert. 

Den 1. Spatenstich stören! Darüber konnte Bodo nur den Kopf schütteln.

„Ich freue mich auf die gute Zusammenarbeit mit Bodo Baumgarte, der BauFlott KG und seinen motivierten Männern und Frauen.“

Applaus brandete auf für Bodo nach den lobenden Worten des Bürgermeisters. Doch auch Gemurmel mischte sich dazwischen. Bodo drehte sich um zu jenen Mitgliedern des städtischen Rates, die nicht in das Händeklatschen einstimmen wollten.

Kleingeister. Bodo hatte für sie nur Verachtung übrig. Immer gleich Korruption vermuten. 

Sie bohrten immer noch und suchten etwas gegen ihn. 

„Ich bitte nun den Architekten unserer neuen Bades, Herrn Thannheuser, und den Bauunternehmer Herrn Baumgarte, mit mir zusammen den ersten Spatenstich vorzunehmen.“

Bodo trat vor und stand, neben dem Bürgermeister, endlich dort, wo er nach eigener Einschätzung längst hingehörte: Im Fokus der Fotografen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Neben ihm legte sich Tilmann Thannheuser in’s Zeug, auch mit vorgebeugtem Oberkörper und Schaufel in der Hand eine gute Figur zu machen.

Wie der das nur macht! Fatzke! 

Bodo konnte heute nicht mehr begreifen, dass dieser eitle Geck mal sein bester Freund war. Lange her - und beide waren in den vergangenen 30 Jahren sehr unterschiedliche Wege gegangen. War es doch ein Fehler, ihn in das Projekt einzubeziehen?

Dummerweise war es der Architekt, der den überregionalen Ruf hatte, Prunkbauten zu entwerfen. Dank des Einflusses seiner Frau, Dr. Tanja Thannheuser, aus bestem Düsseldorfer Geldadel, hatte er es geschafft, in jene Kreise zu gelangen, die Glaspaläste in Auftrag geben.

Die BauFlott KG hingegen hatte in den vergangenen 20 Jahren fast ausschließlich Fabrikhallen gebaut. Immer mehr, immer höher. Und, seit die Großlogistiker Langenhagens Gewerbegebiete erobert hatten, auch immer lukrativer.

Mit Logistikhallen ließ sich Geld machen, viel Geld. Aber kein glanzvolles Image.

Bodo folgte dem Rat seiner Frau, als das Blitzlichtgewitter der Fotografen losging: 

„Zieh den Bauch ein und grins nicht so breit. Weniger ist mehr.“

Betty wusste genau, worauf es ankam, ihr Stil hatte mitgeholfen, das Ehepaar Baumgarte auch gesellschaftlich voran zu bringen. Sie war unverzichtbar. Obwohl er sich schon so lange neben ihr langweilte.

Gerade wollte Bodo noch ein Pläuschchen mit dem Bürgermeister halten, da drängte sich auch schon 

Tilmann Thannheuser dazwischen. Der Künstler, der Garant für „Architektur, die Zeichen setzt“, wie er für sich warb.

„Herr Thannheuser, wir freuen uns so, dass gerade Sie das neue Bad entworfen haben!“

Der Architekt sonnte sich im Lob des Bürgermeisters.

Nur Bodo wusste, dass Tilmann eigentlich nichts zu lachen hatte. 

Als Bodo sich umdrehte, sah er, dass Betty sich mit Susanne unterhielt. Sie lachten nicht. Sie tuschelten. Bodo mochte es nicht, wenn seine beiden Frauen in’s Gespräch kamen. 

Es wurde Zeit, dass er Susanne austauschte. Sie wurde zu keck. Schnell trat er dazwischen. 

„Wir sehen uns Montag im Büro, Frau Schmitz“, sagte er noch, bevor er seiner Frau fest den Arm um die Schulter legte und sie mit sich zog.

Ein Mitglied des Stadtrates bahnte sich den Weg in seine Richtung. Bodo sah eine Chance, zusammen mit dem wichtigen Mann noch einige prominente Gäste zum Dinner in der kommenden Woche einzuladen. Schnell wandte er sich dem Vorsitzenden des städtischen Bauausschusses zu und ließ Betty einfach stehen.

„Nach dem Baubeginn  ist vor dem nächsten Auftrag“ pflegte er zu sagen, genau wissend, dass Kontakte in seiner Branche das A & O waren.

Eifrig bemüht, das Dinner zum ersten Spatenstich noch durch weitere Honoratioren zu veredeln, vergaß Bodo die Menschen um sich herum. 

Er konnte nicht ahnen, dass eine Person unter den Anwesenden gerade beschloss, dass dieser Tag nicht vergehen sollte ohne ein wirklich ernstes Gespräch. So konnte es einfach nicht weitergehen.

Hätte Bodo den Blick gesehen, mit dem er gerade beobachtet wurde, es wäre ihm wohl ein wenig von seiner guten Laune vergangen.

Vielleicht aber auch nicht, denn es entsprach nicht Bodos Gemüt, sich viel um die Meinung und Gefühle anderer zu scheren. 

So war er stets gut durch’s Leben gekommen - das genau deswegen ein frühes Ende finden würde.

Bodo Baumgarte hatte zu diesem Zeitpunkt noch elf Stunden zu leben.