Prolog

Die Tür klappte zu. Der Schlüssel quietschte. Laut. Zu laut? Doch nirgends in den Wohnungen neben dem Büroraum ging das Licht an. Tief durchatmen. Schritt für Schritt weitergehen. Nur nicht hektisch wirken. Nicht auffallen. Bloß nicht auffallen.

Die Person im hellen Sommermantel ging auf ein Auto am Straßenrand zu. Doch die Schritte, die langsam und entspannt wirken sollten, sahen stockend und ungelenk aus. Endlich war das Auto erreicht. 

Aufatmen. Durchatmen.

Niemand zu sehen an der dunklen Walsroder Straße, der grauen Verkehrsader im nächtlichen Langenhagen.

Ein letzter Blick auf das Schaufenster, hinter dem noch vor wenigen Minuten Licht gebrannt hatte. 

„Jetzt schnell nach Hause.“. Ein Gedanke - ein lauter zitternder Atemzug.

Die Hände am Steuer bebten, doch je fester der Griff, umso ruhiger die Finger. War da doch noch Blut zu sehen? Ein schneller Blick auf die weissen feuchten Hände. Nein. 

Warum hatte Bodo nur so hämisch gelacht, so selbstgefällig?

„Denkst Du wirklich, es wäre so einfach?“ Jedes seiner Worte war wie ein Stich.  „Das ist nicht mein Problem."

Das Ziel des Besuches rückte in weite Ferne.

„Du gehst jetzt“, hatte er gesagt und einfach weiter in den Ausschreibungsunterlagen geblättert, die vor ihm lagen. 

Die Tatwaffe lag nun wie ein Klotz in der Manteltasche, drückte sich, festgezurrt durch den Gurt, an die Hüfte. Ein Stück ragte heraus, ließ sich nicht verbergen.

„Und wohin damit jetzt?“ Nicht nach Hause. Noch nicht. 

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sah eine Frau, deren Hund ungehemmt in die Rabatte urinierte, nicht auf, als das Auto die Parkbox verließ und ruckelnd den Weg Richtung Norden einschlug.

Die rote Ampel an der Pferdemarktkreuzung bot Bedenkzeit.

Wohin nur mit diesem Ding? 

War es wirklich so leicht, einen Menschen zu töten?

Der Schlag - ein schneller wütender Impuls. 

Diese große klaffende Wunde, das viele Blut, das erst schnell floß und sich dann, als Bodos Kopf auf den Tisch gesunken war, über die Schreibtischplatte verteilte, das Papier der Schreibtischunterlage durchnässte und wellte. Rot hatten sich auch die Unterlagen für den Bau einer Logistikhalle gefärbt, die Bodo nun nicht mehr bauen würde

Die Ampel sprang auf Grün.

Der junge Mann mit den Stöpseln des iPods im Ohr achtete nicht darauf, dass der Wagen einfach stehenblieb. Er ging über den Reuterdamm auf die Tankstelle zu, wo man auch um diese Zeit Zigaretten kaufen konnte. 

Ein Flugzeug, das zur Landung ansetzte und dröhnend einen flachen fahlen Schatten auf die Kreuzung warf, hielt den Blick einer jungen Frau gefangen, die mit ihrem Auto in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Im Vorbeifahren sah sie, dass ein Wagen im hellen Licht der Kreuzung stehengeblieben war. „Eingeschlafen?“ dachte sie, mit einem Blick in den Rückspiegel, doch der Gedanke verflog so schnell wie er gekommen war.

Die Ampel schaltete auf Rot, als endlich aus wirr durcheinanderfliegenden Gedanken die Entscheidung fiel: Der Platz, an dem die Mordwaffe, das hektisch von Blut reingewaschene Stück, so schnell nicht gefunden würde.

Der Wagen bog ab, verschwand aus dem Blickfeld und mit ihm das Wissen darüber, warum Bodo Baumgarte in dieser Nacht sterben musste.